Der bayerische Dialekt ist für seine Einzigartigkeit und seinen besonderen Charme bekannt, doch außerhalb der regionalen Grenzen kann er schnell zu Verwirrung führen. Eine gebürtige Münchnerin, deren Nachfahrin außerhalb Bayerns aufwuchs, erlebte dies am eigenen Leib und schildert, wie die Eigenheiten der bayerischen Sprache für Erheiterung oder auch Ratlosigkeit sorgten. Dieser Artikel widmet sich 13 solcher Begriffe, die nicht nur für Nicht-Bayern, sondern auch für Dialektliebhaberinnen und -liebhaber interessant sind.
Eines der ersten Beispiele ist das Wort „Fozzn“, das auf den ersten Blick ungewöhnlich klingt und sogar beleidigend wirken könnte. Im bayerischen Sprachgebrauch bedeutet es jedoch schlicht „Mund“ oder „Maul“ und wird oft in einem abfälligen Kontext wie „Halt den Mund!“ verwendet. Trotz seiner potenziellen Schärfe besitzt es einen unverwechselbaren Klang. Ein weiteres Wort, das für Amüsement sorgt, ist „Grattler“. Dieser Begriff kann einen Tunichtgut, einen verwahrlosten Menschen oder auch einen Idioten beschreiben. Trotz der negativen Konnotation empfinden viele das Wort als überraschend liebenswürdig.
Die Liste der bayerischen Kuriositäten geht weiter mit Begriffen, die völlig andere Assoziationen wecken. So klingt „hoaglig“ nach Gemütlichkeit und Heimeligkeit, beschreibt aber tatsächlich etwas Schwieriges, Heikles oder Wählerisches, abgeleitet vom „Haken“, wenn etwas nicht reibungslos funktioniert. Ein echter Favorit ist der „Oibadrischl“, auch bekannt als „Wolpertinger“ oder in Österreich „Raurackel“ – ein mythisches Fabelwesen, das angeblich in den Wäldern streift. Wer würde bei „Gnedlfriadhof“ nicht an einen Friedhof denken? Doch in Bayern ist damit humorvoll der „Bauchspeck“ oder die „Wampe“ gemeint, eine Anspielung auf den „Knödelfriedhof“.
Der „Bazi“ ist ein weiterer amüsanter Begriff für einen Schlingel, Gauner oder Lausbub, der trotz seiner Bedeutung oft als viel zu niedlich empfunden wird, um ernsthaft beleidigend zu sein. Auch im Bereich der Lebensmittel gibt es regionale Besonderheiten: „Ribisl“ sind in Bayern Johannisbeeren. Bei der Bezeichnung „Schrazn“ wird es wieder strenger, denn so werden unartige oder ungehorsame Kinder tituliert – ein „Balg“, dessen Verwendung gegenüber fremden Kindern Vorsicht erfordert. Ein echter Zungenbrecher und ein Klassiker bei der humorvollen Bloßstellung von Nicht-Bayern ist „Oachkatzlschwoaf“, was einfach „Eichhörnchenschwanz“ bedeutet.
Wer sich „obfrettet“, plagt sich im bayerischen Dialekt ab, strengt sich hart an oder müht sich. Und dann gibt es noch den „Paradeiser“, der trotz des fantasievollen Namens nichts mit einem Auto oder Küchengerät zu tun hat, sondern schlicht und einfach eine Tomate ist. Der Name leitet sich vom „Paradies-Apfel“ ab, da die Frucht ursprünglich aus Lateinamerika kam. Zu guter Letzt ist der „Spezl“ ein Kumpel oder Freund, jedoch nicht der feste Partner oder beste Freund. Und für alle, die schlecht sehen: Statt einer Brille tragen viele in Bayern ein „Spekuliereisen“ oder ein „Nasenfahrrad“. Diese vielfältigen und oft humorvollen Ausdrücke zeigen die Lebendigkeit und den Reichtum des bayerischen Dialekts.
