Diese Sammlung entführt in die Welt der DDR-Kindheit und lässt bei vielen, die in dieser Ära aufwuchsen, unvergessliche Erinnerungen aufleben. Im Mittelpunkt stehen die Schallplatten, die von den Labels ETERNA und LITERA produziert wurden und die junge Generation mit Geschichten und Melodien prägten. Neben dem Unterhaltungswert vermittelten diese Tonträger auch Werte und Bildungsziele im Sinne des Sozialismus, ohne dabei ihren künstlerischen Anspruch zu verlieren. Von bekannten Grimm'schen Märchen bis hin zu Liedern und internationalen Erzählungen boten sie eine vielfältige auditive Erfahrung.
Ein nostalgischer Blick auf die DDR-Kinderschallplatten
Die vorgestellten Kinderschallplatten der Labels ETERNA und LITERA, die vom VEB Deutsche Schallplatten in der DDR produziert wurden, waren ein fester Bestandteil vieler Kinderzimmer. Sie boten eine Mischung aus Märchen und Kinderliedern, die oft einen pädagogischen und künstlerischen Anspruch hatten. Ein Sammler hat seine persönlichen Favoriten fotografiert und online geteilt, wobei auch aktuelle Angebote für Sammlerstücke auf eBay erwähnt werden.
Besonders hervorzuheben ist Ron Schlesingers Sachbuch „Märchenhörspiel in der DDR“, das detaillierte Hintergrundinformationen und zahlreiche Abbildungen zu diesen historischen Aufnahmen liefert. Das Buch ist über verschiedene Buchhandlungen wie BOD, Thalia, Amazon und Bücher.de erhältlich.
Zu den beliebtesten Märchenplatten zählte eine Langspielplatte von LITERA aus dem Jahr 1976 mit Grimm'schen Märchen wie „Rumpelstilzchen“ und „Dornröschen“, deren Sprechstimmen noch heute lebendig sind. Auch Einzelschallplatten wie „Hänsel und Gretel“ mit der unheimlichen Atmosphäre und der markanten Stimme von Günther Haack oder „Frau Holle“ mit ihrem eingängigen Kinderchor waren sehr populär. Eine russische Tiergeschichte, „Das eigensinnige Kätzchen“, wurde 1975 als Hörspiel adaptiert, wobei die pädagogische Botschaft kritisch betrachtet wurde.
Des Weiteren waren Klassiker wie „Aschenputtel“, „Rotkäppchen“ und das düstere, aber sehr beliebte „Von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen“ aus dem Jahr 1966 häufig in DDR-Haushalten zu finden. Auch jugoslawische Märchen auf einer LP von 1971 und Mark Twains „Tom Sawyer und Huckleberry Finn“ (1976) fanden ihren Weg in die Kinderzimmer.
Kinderlieder-Schallplatten mit Titeln wie „Kartöffelchen, Kartoffel“ und „Wenn Mutti früh zur Arbeit geht“, gesungen vom Rundfunk-Kinderchor Leipzig, waren ebenfalls weit verbreitet und prägten die musikalische Früherziehung. Figuren aus dem Fernsehen, wie der Kobold Pitti, Moppi, Herr Fuchs und Frau Elster, erfreuten sich großer Beliebtheit und erschienen ebenfalls auf Schallplatten. Die Geschichten von Pittiplatsch spiegelten oft aktuelle Ereignisse wider, wie die Indianerspiele nach den Winnetou-Filmen oder die Weltraummission von Sigmund Jähn im Jahr 1978.
Neben deutschen Märchen gab es auch internationale Erzählungen, darunter das dänische „Däumelinchen“ von Hans Christian Andersen (1965) und „Sputnikmärchen“ vom Sandmännchen, die den Sputnik-Boom der 1950er Jahre aufgriffen. Asiatische Märchen wie „Das Geschenk des Zauberers“ (1963) und „Die goldene Axt“ (1959) bereicherten das Angebot und vermittelten moralische Botschaften. Auch finnische Märchen wie „Knut Spelevink“ (1967) und kasachische Erzählungen wie „Meister Ali, oder die Gewalt der Töne“ (1975) wurden auf Schallplatten festgehalten.
Die Vielfalt der DDR-Kinderschallplatten zeigt, wie die damalige Kulturlandschaft durch Hörspiele und Lieder bereichert wurde, die sowohl unterhielten als auch bildeten und bis heute tiefe Nostalgie wecken.
Diese Reise in die Vergangenheit durch die Welt der DDR-Kinderschallplatten offenbart, wie kulturelle Medien Kinder in ihrer Entwicklung prägen können. Die sorgfältige Auswahl der Geschichten und Lieder, gepaart mit den charakteristischen Stimmen und Inszenierungen, schuf eine einzigartige akustische Landschaft. Es wird deutlich, dass diese Schallplatten nicht nur Unterhaltung boten, sondern auch Werte vermittelten und die Fantasie anregten. Sie sind ein wertvolles Stück Zeitgeschichte, das zeigt, wie Bildung und Unterhaltung in einer spezifischen gesellschaftlichen Ordnung miteinander verwoben wurden. Die anhaltende Faszination für diese Tonträger belegt ihre zeitlose Bedeutung und ihren festen Platz in den Kindheitserinnerungen einer ganzen Generation.
