Eine populäre Psychologin und Bestsellerautorin, Dr. Becky Kennedy, kritisiert einen weit verbreiteten Erziehungsansatz: das ständige Bestreben von Eltern, ihre Kinder vor jeder Form von Frustration oder Traurigkeit zu bewahren. Ihrer Ansicht nach ist dieser reflexartige Drang, Kinder sofort aufzuheitern oder ihnen Schwierigkeiten abzunehmen, kontraproduktiv und kann ihrer langfristigen Entwicklung sogar schaden. Statt die Kinder vor negativen Gefühlen zu schützen, sollten Eltern lernen, sie durch diese Emotionen zu führen, damit sie wichtige Lebenskompetenzen erwerben können. Dieser Ansatz fördert nicht nur die Resilienz, sondern auch das Selbstvertrauen der Kinder im Umgang mit Herausforderungen.
Dr. Kennedy, bekannt für ihren \"Good Inside\"-Podcast, betont, dass die Hauptaufgabe von Eltern nicht darin besteht, ein sorgenfreies Leben für ihre Kinder zu schaffen. Vielmehr sollten Eltern das Potenzial ihrer Kinder erkennen, aus schwierigen Situationen zu lernen und an ihnen zu wachsen. Wenn Eltern jedoch konsequent eingreifen, um jegliche negative Gefühle zu beseitigen, berauben sie ihre Kinder wertvoller Lernmöglichkeiten. Sie hebt hervor, dass Lernen oft mit Unsicherheit und Rückschlägen verbunden ist. Wenn Kinder beispielsweise bei Hausaufgaben scheitern und Frustration äußern, sollten Eltern ihnen nicht die Aufgabe abnehmen, sondern sie ermutigen, eigene Lösungen zu finden.
Ein Beispiel hierfür ist eine Situation, in der ein Kind mit einer Mathematikaufgabe kämpft und verzweifelt ist. Anstatt die Aufgabe für das Kind zu lösen, empfiehlt Dr. Becky einen einfühlenden, aber konsequenten Ansatz. Eltern könnten sagen: \"Diese Aufgabe ist wirklich anspruchsvoll. Ich verstehe, dass es schwer ist, aber ich weiß, dass du es schaffen kannst. Ich bin hier, um dich zu unterstützen, aber ich werde es nicht für dich tun.\" Diese Herangehensweise respektiert die Gefühle des Kindes und stärkt gleichzeitig dessen innere Stärke und Fähigkeit zur Problemlösung. Dadurch lernen Kinder, ihre Ziele selbstständig zu erreichen, was für ihre emotionale Intelligenz von großem Wert ist.
Die positiven Auswirkungen dieses Ansatzes zeigen sich laut Kennedy schnell. Kinder lernen, sich weniger auf die Beruhigung der Eltern zu verlassen und entwickeln stattdessen ihre eigenen Regulationsfähigkeiten. Die Psychologin stellt fest, dass die Worte der Eltern zu den inneren Stimmen der Kinder werden. Wenn Eltern ihren Kindern wiederholt vermitteln, dass sie schwierig Aufgaben meistern können, werden die Kinder diese Überzeugung schließlich selbst verinnerlichen. Dadurch wächst ihr Selbstbewusstsein und sie entwickeln ein tiefes Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten, was für ein erfolgreiches und widerstandsfähiges Leben unerlässlich ist.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass eine der wichtigsten Aufgaben von Eltern darin besteht, ihre Kinder zu begleiten und ihnen zu ermöglichen, eigene Erfahrungen mit Frustration und Erfolg zu machen. Indem Eltern ihren Kindern Vertrauen entgegenbringen und sie in schwierigen Momenten unterstützen, anstatt sie zu überbehüten, schenken sie ihnen eine unbezahlbare Fähigkeit: den Glauben an sich selbst und die Stärke, alle Herausforderungen des Lebens zu meistern.
