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Hyaluronsäure-Injektionen: Risiken und sichere Alternativen

Die Verabreichung von Hyaluronsäure-Fillern zur Hautverjüngung und Gesichtsmodellierung erfreut sich großer Beliebtheit. Obwohl Hyaluronsäure ein körpereigener Stoff ist, der maßgeblich zur Straffheit und Elastizität der Haut beiträgt, bergen die Injektionen weitreichendere Risiken, als gemeinhin angenommen wird. Die Haltbarkeit von Fillern wird oft unterschätzt; sie können Jahre nach der Injektion noch im Gewebe verbleiben und unerwartete Probleme verursachen. Zudem ist die Wahl eines qualifizierten Mediziners von entscheidender Bedeutung, da mangelnde Fachkenntnisse schwerwiegende Komplikationen nach sich ziehen können. Der aktuelle Mangel an Hylase, einem Enzym, das zur Auflösung von Hyaluronsäure dient, verschärft die Situation zusätzlich und wirft Fragen nach der Patientensicherheit auf. Es gibt jedoch auch vielversprechende alternative Behandlungsansätze, die auf natürliche Weise die Hautregeneration anregen.

Hyaluronsäure ist ein wesentlicher Bestandteil unseres Bindegewebes und spielt eine zentrale Rolle bei der Speicherung von Wasser in der Haut, wodurch diese prall und geschmeidig bleibt. Mit fortschreitendem Alter sowie durch Umwelteinflüsse nimmt der Hyaluronsäuregehalt der Haut ab, was zu Falten und einem Verlust an Elastizität führt. Hier setzen Hyaluronsäure-Injektionen an, um das jugendliche Aussehen wiederherzustellen oder bestimmte Gesichtszüge zu betonen. Im Gegensatz zu älteren, permanenten Füllmaterialien wie Silikon ist Hyaluronsäure vollständig resorbierbar. Doch diese Resorbierbarkeit ist nicht immer so geradlinig, wie man vielleicht erwarten würde.

Die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA gibt für Hyaluronsäure-Filler eine Haltbarkeit von sechs bis achtzehn Monaten an. Die praktische Erfahrung zeigt jedoch, dass Füllstoffe oft deutlich länger im Gewebe verbleiben können, manchmal sogar Jahre nach der ursprünglichen Injektion. Facharzt Jair Mauricio Cerón Bohórquez, spezialisiert auf ästhetische Medizin, weist darauf hin, dass dies zu unerwarteten Problemen führen kann. Obwohl schwerwiegende Komplikationen selten sind, betont er, wie wichtig es ist, Behandler mit umfassender Fortbildung in diesem Bereich zu wählen. Es ist besorgniserregend, dass in Deutschland prinzipiell alle approbierten Ärzte und sogar Heilpraktiker Hyaluronsäure injizieren dürfen, ohne eine spezifische Zusatzausbildung zu benötigen. Dies birgt Risiken, insbesondere da in sozialen Medien solche Behandlungen oft als unkomplizierte „To-go-Treatments“ verharmlost werden. Experten wie Prof. Dr. Detlev Hebebrand, Präsident der Vereinigung der Deutschen Ästhetisch-Plastischen Chirurgen, fordern, dass Injektionen ausschließlich von ausgewiesenen Fachleuten durchgeführt werden sollten, da sie präzise anatomische Kenntnisse und Erfahrung erfordern.

Ein häufiges Problem, das Jair Mauricio Cerón Bohórquez in seiner Praxis beobachtet, ist das Wandern der Filler. Patienten klagen über schmerzhafte Schwellungen und Füllstoffe, die sich Jahre nach der Unterspritzung im Gesicht verlagert haben, beispielsweise von der Schläfe bis zum Kinn. Dieses Phänomen tritt auf, wenn der Filler in die falsche Gewebeschicht injiziert wird. Die Haut besteht aus Epidermis, Dermis und Subkutis, darunter liegt die SMAS-Schicht (Superficial Muscular Aponeurotic System), eine Schicht aus Muskel- und Bindegewebe, die das gesamte Gesicht überzieht. Gerät der Füllstoff versehentlich in diese Schicht, kann er sich im Laufe der Zeit ungewollt verteilen. Dies ist besonders im Bereich der Lippen zu beobachten, wo die Hyaluronsäure aufgrund der ständigen Bewegung der Lippen manchmal in das Philtrum oberhalb der Lippe wandert, was zu einem unnatürlichen „Entenschnabel-Effekt“ führen kann. Um solche Verschiebungen zu vermeiden, sind die korrekte Produktauswahl, exakte anatomische Kenntnisse und eine präzise Injektionstechnik unerlässlich.

Um die Risiken weiter zu minimieren, setzt Bohórquez Ultraschall ein. Die Sonografie ermöglicht es ihm, die Filler gezielt unter oder oberhalb der SMAS-Schicht zu injizieren und auch in sogenannten „Danger Zones“ sicher zu arbeiten. Diese kritischen Bereiche im oberen und mittleren Gesichtsdrittel sind aufgrund des Verlaufs wichtiger Blutgefäße, die mit Augen und Gehirn in Verbindung stehen, besonders riskant. Eine versehentliche Injektion in ein Gefäß kann zu Gewebenekrosen, Schlaganfällen oder sogar Erblindung führen. Obwohl diese Komplikationen bei sachkundiger Anwendung extrem selten sind, sind sie nicht vollständig auszuschließen. Ultraschall hilft dem Arzt, den genauen Verlauf der Gefäße zu erkennen und die Injektionstechnik entsprechend anzupassen. So kann beispielsweise die Nasolabialfalte, selbst wenn dort wichtige Arterien verlaufen, sicher und natürlich aufgefüllt werden, indem der Filler oberflächlicher oder mit einer stumpfen Kanüle eingebracht wird.

Probleme wie chronische Schwellungen, insbesondere im Bereich der Unterlider, können auch Jahre nach der Unterspritzung auftreten und Schmerzen verursachen. Dies ist oft auf die Injektion von Hyaluronsäure in die Tränenrinne zurückzuführen, um dunkle Augenringe zu reduzieren. Da jede Hyaluronsäure Wasser bindet, kann es zu Schwellungen kommen, wenn der Filler sich wie ein Schwamm verhält, besonders wenn er vom Körper abgebaut wird. Im Augenbereich kann dies den Lymphfluss beeinträchtigen und zu stärkeren Schwellungen und Schmerzen führen. Allergien und Autoimmunerkrankungen, die mit Hautreaktionen einhergehen, sind oft Kontraindikationen für solche Behandlungen. Stattdessen empfiehlt Bohórquez die Behandlung mit Eigenblut, dessen Wachstumsfaktoren die Hautdichte erhöhen und dunkle Schatten weniger sichtbar machen können. Betroffene von Ödemen können versuchen, die Augenpartie regelmäßig zu massieren, um den Abbau des Produkts zu beschleunigen. Sollte dies nicht ausreichen, kann der Filler theoretisch mit Hyaluronidase (Hylase) aufgelöst werden. Allerdings ist die Verfügbarkeit dieses Enzyms, insbesondere nach dem Produktionsstopp von Hylase Dessau, derzeit stark eingeschränkt, was die ästhetische Medizin vor eine Versorgungskrise stellt.

Die Knappheit von Hylase, dem einzigen zugelassenen Medikament zur Auflösung von Hyaluronsäure-Fillern, hat die Branche in Aufruhr versetzt. Hyaluronsäure wurde gerade deshalb zum bevorzugten Filler, weil es ein Gegenmittel gab. Das Enzym spaltet Hyaluronsäure in ihre molekularen Fragmente, die dann vom Körper eliminiert werden. Dies erfordert oft mehrere Sitzungen, insbesondere bei festeren Fillern. Auch hier kann Ultraschall helfen, die Hylase präzise zu injizieren und das umliegende Gewebe zu schonen. Obwohl Hylase nicht zwischen körpereigener und injizierter Hyaluronsäure unterscheidet, baut der Körper die natürliche Hyaluronsäure innerhalb von 48 bis 72 Stunden wieder auf. Die aktuelle Hylase-Krise zeigt, wie anfällig eine ganze Branche sein kann, wenn sie von einem einzigen Medikament abhängig ist, und unterstreicht die Dringlichkeit regulatorischer Lösungen.

Obwohl Jair Mauricio Cerón Bohórquez kein Gegner von Hyaluronsäure-Fillern ist, hat er seinen Verbrauch in den letzten fünf Jahren reduziert, um das Risiko des „Overfilled Face Syndrome“ zu vermeiden, bei dem übermäßige Injektionen zu einem aufgedunsenen Gesicht führen können. Er setzt verstärkt auf Biostimulatoren wie Poly-L-Milchsäure oder Calcium-Hydroxylapatit. Diese Stoffe füllen nicht direkt, sondern regen die körpereigene Produktion von Kollagen und Elastin an, was zu einer natürlichen Festigung des Gewebes führt. Da kein Fremdmaterial zurückbleibt, kann auch nichts verrutschen. Diese „Dünger“ für die Haut stimulieren durch eine kontrollierte Entzündungsreaktion die hauteigenen Erneuerungsprozesse. Für optimale Ergebnisse sind meist drei Behandlungen im Abstand von acht Wochen notwendig, der Effekt hält dann bis zu zwei Jahre an. Eine weitere vielversprechende Methode ist das Radiofrequenz-Microneedling, das die Haut durch die Kombination von Mikronadeln und Radiofrequenzenergie zur Kollagen- und Elastinproduktion anregt. Dies führt zu strafferer Haut, verfeinerten Poren und einer Reduzierung von Narben. Auch hier sind mehrere Sitzungen und jährliche Auffrischungen empfohlen. Diese Methode eignet sich auch hervorragend, um Gewebe nach der Auflösung alter Filler zu festigen, was wiederum die Aufnahmefähigkeit für zukünftige Filler verbessert und natürlichere Ergebnisse ermöglicht.

Unabhängig von der gewählten Methode sind Nebenwirkungen und Komplikationen nie vollständig auszuschließen. Es ist daher unerlässlich, jede Behandlung sorgfältig zu überdenken und einen Behandler mit größter Sorgfalt auszuwählen. Hören Sie auf Ihr Bauchgefühl: Wenn Sie sich in einer Praxis nicht wohlfühlen, zögern Sie nicht, diese sofort zu verlassen.