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Italiens Sommerwandel: Vom Strand in die Berge – ein neuer Ferientrend?

Der traditionelle Sommerurlaub in Italien, einst geprägt von Sonne, Sand und Meer, unterliegt einer bemerkenswerten Veränderung. Statt Strandtüchern und Badebekleidung dominieren zunehmend Wanderschuhe das Bild. Die einst belebten Küstenstreifen präsentieren sich im Jahr 2025 überraschend leer, während sich Familien vermehrt in den kühleren Bergregionen des Landes tummeln. Dieser tiefgreifende Wandel wirft die Frage auf, welche Faktoren diese radikale Verschiebung im Reiseverhalten der Urlauber auslösen.

Die Küstenabschnitte Italiens, insbesondere an der Adria, zeigten sich diesen Sommer ungewöhnlich verwaist. Laut dem Verband der Strandbad-Betreiber (SIB) sanken die Besucherzahlen im Juli durchschnittlich um 15%, in der Emilia-Romagna sogar um bis zu 25%. Antonio Capacchione, der Präsident des SIB, führt dies vor allem auf das Ausbleiben italienischer Gäste zurück. Fast die Hälfte der italienischen Bevölkerung (49%) plant, zwischen Juni und September 2025 zu Hause zu bleiben, was eine signifikante Zunahme von fast 10% im Vergleich zu 2019 darstellt.

Doch nicht nur die Einheimischen meiden die Strände; auch viele deutschsprachige Besucher bleiben fern. Ein wesentlicher Grund hierfür sind die explodierenden Kosten: Ein Tag im italienischen Strandbad mit Sonnenschirm und Liegestuhl ist im Durchschnitt 32,7% teurer als noch vor sechs Jahren, wie Berichte von ZDF heute belegen. Auch die Preise für Erfrischungen und Eiscreme sind in den letzten Jahren drastisch angestiegen, was das Badeerlebnis zusätzlich verteuert.

Hinzu kommen wiederkehrende Hitzewellen mit Temperaturen von über 40 Grad Celsius, die das Verweilen am Strand selbst unter dem Sonnenschirm unerträglich machen. Diese extremen Bedingungen haben dazu geführt, dass klassische Badeferien an Attraktivität verlieren. Stattdessen gewinnen aktive Urlaubsformen in den kühleren Bergregionen zunehmend an Beliebtheit. Ein klarer Trend ist erkennbar: Weg von der Strandbräune, hin zu Bewegung, Naturerlebnissen und der erfrischenden Bergluft.

Die vermeintliche Ruhe und Erholung, die man in den Bergen erwartet, trügt jedoch vielerorts. Besonders die Dolomiten erleben einen explosionsartigen Zustrom an Touristen. Walter De Cassan, der Präsident des Hotelierverbands von Belluno, berichtet von einem massiven Anstieg des Tourismus in Südtirol. Insbesondere Gäste aus Übersee, wie den USA, China und Kanada, haben nach der Pandemie die Berge neu entdeckt. Dies führt dazu, dass an Gebirgs-Hotspots wie dem Pragser Wildsee und den Drei Zinnen ähnliche Menschenmassen anzutreffen sind wie einst am Strand von Rimini. Warteschlangen an Seilbahnen, überfüllte Wanderwege und überlaufene Gipfel sind im Jahr 2025 vielerorts an der Tagesordnung.

Angesichts der überteuerten Strandurlaube und der überlaufenen Bergregionen stellt sich die Frage nach erholsamen Familienferien. Für Familien mit kleineren Kindern kann es ratsam sein, die Hauptsaison zu meiden. Außerhalb der Schulferien sind die Preise oft deutlich niedriger, sei es in Bozen oder Viareggio. Zwar könnte man sich im September den Strand oder Berg mit Senioren teilen, doch diese sind meist kinderlieb. Zudem lohnt es sich, weniger bekannte Reiseziele in Betracht zu ziehen. Abgelegene Bergregionen bieten oft eine ebenso beeindruckende Landschaft, punkten aber mit mehr Ruhe und Entspannung. Für Kinder muss ein Urlaub ohnehin nicht „Instagram-tauglich“ sein. Im italienischen Süden, beispielsweise auf Sizilien, sind die Preise für Strandbäder zudem oft wesentlich günstiger.

Die Notwendigkeit eines teuren Beachclubs ist ohnehin fraglich. Viele Familien empfinden es als viel angenehmer, einfach einen Sonnenschirm und Handtücher mit zum Strand zu nehmen und sich direkt am Wasser einen Platz im Sand zu suchen. Dort können die Kinder ungestört buddeln und planschen, und das Beste daran: Diese Option ist nach wie vor völlig kostenfrei. So bleibt der Urlaubsspaß erschwinglich und entspannt.