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Jeremy Scotts kreativer Prozess: Von Laufsteg zu "Blinded by Delight"

Jeremy Scott, ein Meister des verspielten Designs, der für seine Pop-Art-Referenzen und provokanten Kreationen bekannt ist, betritt eine neue Bühne. Der ehemalige Kreativdirektor von Moschino, dessen Stil von Barbie-Visionen bis hin zu tragbarem Fast Food reicht, widmet sich nun der Welt des Theaters. Im Berliner Friedrichstadt-Palast übernimmt er die ehrenvolle Aufgabe, mehr als 500 Bühnenoutfits für die kommende Grand Show \"Blinded by Delight\" zu entwerfen. Diese Show, die am 8. Oktober 2025 Premiere feiert, bietet Scott eine weitere Plattform, sein künstlerisches Talent zu entfalten und dabei in die Fußstapfen namhafter Designer wie Jean Paul Gaultier und Christian Lacroix zu treten.

Für diese aufwendige Produktion greift Scott auf sein eigenes kreatives Archiv zurück und interpretiert beispielsweise das ikonische Chandelier-Kostüm neu, das er 2019 für Katy Perrys Met Gala Auftritt schuf. Jedes der drei Showkleider wird mit etwa 100.000 Swarovski-Kristallen verziert. Auch die berühmte Kickline-Tanzformation des Palastes wird in funkelnde Kreationen gehüllt, für die insgesamt rund vier Millionen Kristalle verwendet werden – teils in minutiöser Handarbeit in den Ateliers des Hauses, teils in den Swarovski-Werkstätten in Wattens als vorgefertigte, besetzte Bögen. Ergänzt werden diese Entwürfe durch speziell angefertigte Stoffe, wie einen Mosaikprint, der von der Fensterfront des Palastes inspiriert ist, oder Vinylpatina in geometrischen Mustern. Die logistische Herausforderung, diese visionären Kostüme in einem transkontinentalen Austausch zwischen Berlin und Scotts Basis zu realisieren, ist immens. Diese Präzision ist auch nötig, da die über 100 Tänzer während jeder Aufführung sieben bis zehn Outfitwechsel absolvieren müssen, um Scotts „Mehr ist mehr“-Inszenierungen auf der größten Theaterbühne der Welt zum Leben zu erwecken.

Scott betont, dass seine Arbeit für die Bühne eine Abkehr von der reinen Selbstverwirklichung darstellt; es geht darum, eine fremde Welt zu formen und deren Geschichte mit seiner unverkennbaren Handschrift zu versehen. Trotz der immensen Größe des Projekts und des umfangreichen Budgets von 14 Millionen Euro sieht Scott die Swarovski-Kristalle nicht als Einschränkung, sondern als kreative Superkraft, die seinen Designs Glanz und Besonderheit verleiht. Er schätzt die Zusammenarbeit mit Experten, die die technische Umsetzung seiner Visionen gewährleisten. Für Scott darf Kunst gefallen und muss nicht immer tiefgründig analysiert werden; es ist wie der Besuch eines Museums für moderne Kunst, wo jeder seine eigene Interpretation finden kann. Angesichts der aktuellen Weltsituation sieht er seine verspielten Ästhetiken als einen notwendigen visuellen Lichtblick, der Freude spendet und als Zufluchtsort dient. Escapismus, so seine Ansicht, ist kein Luxus, sondern eine wesentliche Ausdrucksform, die es den Menschen ermöglicht, in herausfordernden Zeiten kurzzeitig ihre Sorgen zu vergessen. Kunst und Design erhalten dadurch einen erhöhten Stellenwert, da sie Räume eröffnen, in denen Geschichten neu interpretiert und auf aktuelle Gegebenheiten übertragen werden können, was eine gedankliche Pause und Freude in unser Leben bringt.