Die deutsche Sprache verfügt über eine beeindruckende Vielfalt an Redewendungen, von denen ein Großteil der heutigen Muttersprachler nur einen geringen Teil kennt. Dieser Beitrag beleuchtet 17 klassische, aber teils vergessene Sprichwörter, deren Ursprünge Jahrhunderte zurückreichen und die das Potenzial haben, wieder in Mode zu kommen.
Einige dieser alten Ausdrücke bieten überraschende Einblicke in frühere Zeiten. Beispielsweise bedeutet "Das sind mir ja ein paar Pappenheimer!" im Gegensatz zur heutigen Assoziation keine Beleidigung, sondern bezeichnet treue Gefolgsleute. Dieser Ausdruck wurde nach Schillers "Wallenstein"-Trilogie populär und könnte aufgrund seiner positiven Konnotation durchaus wieder Verwendung finden.
Die Redewendung "Umgekehrt wird ein Schuh draus" beschreibt, dass das Gegenteil richtig ist. Sie leitet sich von der alten Schusterkunst ab, bei der Schuhe bis ins 15. Jahrhundert zunächst auf links genäht und dann umgedreht werden mussten, um tragbar zu sein.
Der Spruch "Auf dem Zahnfleisch kriechen" ist eine Metapher für extreme Erschöpfung, deren genauer Ursprung zwar unbekannt ist, aber in der heutigen schnelllebigen Gesellschaft eine passende Beschreibung darstellt.
"Das ist ja unter aller Kanone!" klingt kriegerisch, hat aber einen lateinischen Ursprung: "sub omni canone" bedeutet "unter aller Richtschnur" und steht für etwas, das völlig inakzeptabel ist. Es bietet eine kultiviertere Alternative zu umgangssprachlichen Ausdrücken des Missfallens.
"Mein lieber Scholli!" wird als Ausdruck der Bewunderung oder Erleichterung verwendet und stammt vermutlich vom französischen Wort "joli" (hübsch) ab. Es ist ein Beispiel dafür, wie sprachliche Einflüsse aus Nachbarländern die deutsche Ausdrucksweise bereichert haben.
Die Wendung "Da steppt der Bär!" beschreibt eine äußerst lebhafte oder spektakuläre Situation. Sie erinnert an die Zeiten, in denen Bären in Zirkussen die Hauptattraktion waren und für große Begeisterung sorgten.
"Das sind mir alles böhmische Dörfer" verdeutlicht, dass etwas unverständlich oder fremd ist. Der Spruch bezieht sich auf die böhmischen Dörfer im heutigen Tschechien, deren slawische Namen für deutschsprachige Menschen im 19. Jahrhundert schwer auszusprechen und zu verstehen waren.
"Alles (in) Butter" signalisiert, dass alles in Ordnung ist. Diese Redewendung geht auf die Legende zurück, dass zerbrechliche venezianische Gläser in Fässern mit ausgehärteter Butter über die Alpen transportiert wurden, um sie vor Bruch zu schützen.
Die Aussage "Da ist mir Schnuppe!" drückt Gleichgültigkeit aus. "Schnuppe" bezeichnete früher das wertlose, abgebrannte Ende eines Kerzendochts. Dieser Ausdruck ist eine harmlose Alternative zu stärkeren Wendungen der Gleichgültigkeit.
"Auf den Busch klopfen" bedeutet, versteckte Informationen oder Geheimnisse aufzudecken. Der Ursprung liegt in der Jägersprache, wo Jäger auf Büsche schlugen, um Vögel aufzuscheuchen und zu fangen.
Der Ausdruck "Du treulose Tomate!" hat einen weniger angenehmen historischen Hintergrund, der auf die Rolle Italiens im Ersten Weltkrieg anspielt. Trotzdem kann er heutzutage in einem liebevollen, humorvollen Kontext verwendet werden, um eine neckische Bemerkung zu machen.
"Montags blau machen" bedeutet, nicht zur Arbeit zu erscheinen oder die Schule zu schwänzen. Dieser Ausdruck stammt von den Wollfärbern, die ihre Wolle sonntags einlegten und montags nur noch zum Trocknen aufhängen mussten, wobei sie sich blau färbte, was ihnen einen freien Tag bescherte.
Wer "mit dem Klammerbeutel gepudert ist", ist verrückt oder handelt unüberlegt. Dieser Ausdruck bezieht sich auf das frühere Verfahren des Mehlmahlens, bei dem das Mehl durch einen "Klammerbeutel" gesiebt wurde. Wer diesen Beutel bei laufendem Mahlgang öffnete, wurde buchstäblich mit Mehl "gepudert".
"Torschlusspanik" beschreibt die Angst, eine wichtige Gelegenheit zu verpassen. Historisch gesehen bezieht sich dies auf die Angst von Reisenden, die Stadttore vor ihrer abendlichen Schließung nicht mehr zu erreichen.
"Da stehste wie die Kuh vorm Neuen Tor" beschreibt eine Situation der Verwirrung oder Ratlosigkeit. Es wird vermutet, dass dieser Ausdruck auf die engen und oft nur eingleisigen Stadttore Berlins im 19. Jahrhundert zurückgeht, vor denen sich beispielsweise die Straßenbahn der Linie Q regelmäßig staute.
"Einen hinter die Binde gießen" ist eine umgangssprachliche Umschreibung für das Trinken von Alkohol. Der Ausdruck könnte darauf hindeuten, dass Männer früher Halsbinden trugen und der Alkohol quasi "hinter die Binde" floss.
Zuletzt beschreibt die Redewendung "Das schlägt dem Fass den Boden aus" tiefe Empörung. Sie bezieht sich auf das bayerische Reinheitsgebot für Bier von 1516: Wenn ein Bier nicht den Qualitätsstandards entsprach, wurde der Fassboden ausgeschlagen, um den Inhalt zu vernichten, was den Brauer natürlich erzürnte.
